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Sage über einem großen Krebs
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Wiktora i Tymoteusza

 
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Sage über einem großen Krebs

Sage über einen großen Krebs




Unter den Einwohnern der Burg in Moryń zeichnete sich ein junger KREBS durch seine Größe, seine Stärke und seinen Mut aus. Er war der beste Hauer, ein unfehlbarer Bogenschütze und er übertraf alle auch im schnellen Laufen und Schwimmen. Da er viele Lieder singen und Spiele gut führen konnte, schätzten ihn die Alten und die Jungen würden für ihn durchs Feuer gehen. Er aber träumte von ritterlichem Ruhm bei der Verteidigung seines Vaterlandes. Er mußte nicht lange warten. Zahlreiche Feindescharen vom Westen überschwemmten den pommerschen Boden wie zunehmende Wellen. Die durch die in der Nacht flammenden Bogen gewarnten Einwohner der benachbarten Dörfer verbargen sich in der Burg, wo sie zusammen mit der Mannschaft die Angriffe zurückschlugen. Was konnten aber einige Verteidiger gegenüber dem mehrfachen Übergewicht der Feinde ausrichten? Es fehlte schon an Händen zum Kämpfen und an Pfeilspitzen zu den Pfleilen, so wurden die auf die Wallen kletternden Feinde mit Spießen geschlagen und mit abgespitzten Stangen zurückgeschoben. Man warf auf sie schwere Gesteine und begoß sie mit siedendem Wasser. Die Brandenburger waren von tapferer Verteidigung der Moryner überrascht, nahmen ihre Verwundeten und ihre Toten mit, zogen sich von den Mauern zurück und begannen mit der Belagerung der Burg. In der Zeit erschien in der Burg der größte Feind - der Hunger. Die Herzen mancher Verteidiger erschraken und dachten an die Übergabe der Stadt.


- Wir halten nicht länger als zwei, drei Tage durch, flüsterten sie.

- Wir kommen um, wenn nicht von den Wunden dann vom Hunger. Unser Schicksal wird aber schwieriger, wenn wir machtlos erobert werden als wenn wir uns gutwillig auf ihre Gnade ergeben.

- Wenn wir wenigstens mit Verstärkung und Hilfe rechnen könnten! Aber wie soll die Hilfe kommen, wenn man sie nicht rufen kann! Keine Schlange darf in den Garten hineinschlüpfen und kein Vogel ausfliegen, ohne daß sie nicht getötet werden!

Krebs dachte nach. Die Hofnungslosigkeit der langen Verteidigung war auch für ihn klar. Aber wenn man versucht durchzukommen und Hilfe holt? Und obwohl er von den Kämpfen und erlittenenen Wunden schon schwach war, zögerte er nicht.

- Ich hole die Hilfe, aber ihr müßt schwören, daß ihr drei Tage ausharrt!- schrie er.

Von seinem Feuer mitgerissen bestätigten die Verteidiger mit lautem Geschrei das Versprechen des weiteren Kampfes. Am späten Abend, nur ein Messer mitnehmend, rutschte er auf die Wälle herunter und kroch über den Sumpf und das Gebüsch zum See. Als er schon am See war und in die kalten Wellen tauchen wollte, bemerkte er mit Feinden volle Boote. Er dachte nicht lange nach, schnitt mit dem Messer ein dickes Schilfrohr, steckte es in den Mund und tauchte ins Wasser. Er blieb unbemerkt. Er wartete bis die Boote mit den Brandenburger Knechten vorbeizogen und danach schwamm und watete er im Schilf bis er an das andere Seeufer kam und sich im Urwald verbarg. Am Vormittag fand er im Wald die polnischen Truppen. Bevor sie aber zum Entsatz eilten, war der zweite Tag fast zu Ende.

- Sie kommen nicht zur rechten Zeit - war Krebs besorgt - und die Verteidiger harren ohne Nachricht nicht aus und werden die Burg übergeben.

So bat er den Führer der Entsatztruppen um die höchste Eile und begab sich schnell zurück nach Moryń. Er nutzte wieder das Schilfrohr beim Schwimmen und Schleichen durch den See, um glücklich durchzukommen. Leider stieß er kurz vor den Burgmauern auf die Brandenburger Wächter.

- Wer da? - schrie der Wächter. Bevor Krebs sich umsehen konnte, stürzten schon einige Knechte auf ihn, um ihn lebend gefangen zu nehmen. Krebs entriß einem Knechten den Spieß und stoch ihn durch, bald aber merkte er, daß er nicht imstande ist, sich vor den Feinden zu retten, so setzte er seine Hände an seine Lippen und schrie mit allen Kräften:

- Hier Krebs! Hier Krebs! Hilfe kommt! Dauert aus!

Die Gegner blieben für eine Weile überrascht stehen, aber dann verstanden sie, daß es eine Nachricht für die Burg ist, und stürzten sich voller Wut wieder auf Krebs.

- Dauert aus! - konnte er noch einmal aufschreien und mit gespaltenem Kopf stürzte er in die Wellen des Sees.

Die Verteidiger hörten ihn aber und harrten im tapferen Kampf aus, bis die Hilfe kam. Man wies den Feind mit vereinigten Kräften zurück und die Erinnerung an den heldenhaften Krebs blieb durch mehrere Generationen erhalten. Man erzählt auch, daß ab und zu in heiteren Sommernächten ein riesiger Krebs aus dem See auftaucht und sich ans Ufer in die Stadtrichtung nähert und daß er am frühen Morgen wieder in den See taucht. Unter den Leuten spricht man, daß es die verzauberte Seele des damaligen Verteidigers der Moryner Stadt - des heldenhaften Krebses- ist.

 

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